Immer auf der Suche nach besonderen Rennradreisen, bin ich diesmal bei einem Veranstalter in der Schweiz fündig geworden.
Zeitgleich mit der Tour de France (04.07. bis 26.07.2026) ging es 3 Wochen auf dem Rennrad durch Spanien, Andorra, Frankreich und die Schweiz
Die ukltimative Urlaubsherausforderung
Auch wenn es aussieht wie die Beschreibung der Tour de France selbst; Das ist tatsächlich eine Urlaubsreise. Zugegeben eine „Reise“ der besonderen Art – nicht nur für uns Hobbyfahrer.
- Start und Treffpunkt der Gruppe in Bilbao (Spanien)
- 2.441 km und stolze 45.770 Höhenmeter aufgeteilt auf
- 20 Etappen mit
- 40 großen und kleineren Pässen
- 2 Ruhetage
- Ende in Zug (Schweiz)
Und so sah der Reiseplan etwas konkreter aus:
- In Woche 1 ging es in 8 Etappen von Bilbao bis nach Cap d’Agde ans Mittelmeer.
- Ruhetag in Cap d’Agde
- In Woche 2 ging es in 4 Etappen durch die Haute-Provence nach Nizza
- Ruhetag in Nizza
- In Woche 3 ging es in 8 (schweren) Etappen durch die Westalpen Süd-Nord bis Zug
Heiß wars
Wettertechnisch passte es: Nur bei der letzten Etappe der „Tour“ von Interlaken nach Zug in der Schweiz gabs nach nächtlichem Gewitter an der Eigernordwand noch in der Früh etwa 2 Stunden leichten Nieselregen. Kalt war es uns nie; Dafür hatten wir aber an wohl jeden Tag extrem belastende Temperaturen von 35°C und mehr, teilweise sogar von über 40 Grad. Im Schatten – wohlbemerkt –, den wir ja leider nur selten bis – gefühlt – nie genießen konnten. Die diesjährige Tour de France musste ja deswegen Etappen verkürzen, aber wir haben „durchgezogen“, natürlich nicht im Renntempo, aber immerhin.
Eine Flach-Etappe vom Feinsten
So hatten wir ein wirklich nicht so schönes Erlebnis mit der Hitze nach dem ersten Ruhetag in Cap d`Arge. Eigentlich freuten wir uns auf eine recht flache Überführungsetappe von 180 km von Cap d`Agde – das Rhonetal hinauf – nach Orange. Die Freude währte allerdings nicht besonders lange, denn schon im Laufe des frühen Morgens bauten sich Temperaturen von deutlich über 40 Grad im Schatten auf – unterstützt von einem unerbittlich heißen Mistralwind, der uns konstant und dauerhaft entgegen blies.
Als wir dann bei der Überquerung der Rhone das Wasser sahen, gabs für uns nur noch eines: Die erste Einstiegsstelle ins Wasser „entern“ und dort ein Vollbad im – für uns – angenehm kühlen Flusswasser, bevor wir die restlichen km gegen den Mistral angingen.
Hügelpässe und Bergpässe
Die über 45 Tsd. Höhenmeter, die Länderauswahl und der Reisetermin verraten es – unser Veranstalter hatte für diese 3 Wochen nahezu alle Tour des France Klassiker in die Reise eingebaut, die er irgendwie aneinanderreihen konnte. Wir überquerten also den Col de Marie-Blanque, den Aubisque, den d’Aspin, den Tourmalet, den Peyresourde, den Mount Ventoux, den Col.d’Izoard, den Col d‘Galibier, den Col.d‘Iseran, den großen und kleinen St.Bernhard, den Grimselpass und die Große Scheidegg und natürlich auch die Verdon-Schlucht. Aber es gab natürlich auch zahllose unbekanntere kleinere und größere Pässe und Hügel zwischen diesen „Riesen“, die ebenfalls zum Teil traumhaft und reizvoll zu befahren waren.
Bei dieser Fülle an Pässen, gab es unter uns Teilnehmern zwei „geflügelte“ Wörter: „Ein Pass bis 1.000 Hm ist ein „Hügelpass“, erst Pässe mit mehr als 1.000 Hm zählen als „Bergpass“ und nur die hatten letztlich noch eine gewisse Bedeutung bei der Planung der einzelnen Etappen.
Ein Jubiläum der besonderen Art
Und für mich persönlich hatte diese Tour unterwegs auch noch ein kleines „Jubiläum“. Seit ich Rennrad fahre, habe ich den Mount Ventoux (je nach Auffahrt zwischen 21 und 25 km lmit je 1.250 bis 1599 Hm) in diesem Jahr zum 20. Mal befahren.
Die Highligts der Tour
Unvergesslich wird mir allerdings vor allem das Befahren des Galibier (ca. 35 km/ 2100 Hm) und des Tourmalet (ca. 19km/ 1400 Hm) bleiben. Wir erreichten diese Pässe jeweils einen Tag vor der Überquerung durch die Tour de France. Dementsprechend campierten bereits 1.000-e Wohnmobile kilometerlang links und rechts dieser beiden Passstraßen. Die Tour-Fans machten die Passtrassen zur Feiermeile und feuerten auch uns Hobbyfahrer bei der Auffahrt an. Es wurde regelrecht vorgeglüht. Eine unglaubliche Stimmung, die Flügel verlieh und die Anstrengung und Hitze in den Hintergrund rücken ließ.
Was vergessen wird und was bleibt .....
Alles in allem war das für mich eine unvergessliche Radreise, deren Strapazen (die mich an meine physischen und vor allem auch psychischen Grenzen gebracht haben) ich mit Sicherheit viel schneller vergessen werde, als die tollen Eindrücke der Landschaften und Pässe und – natürlich – die Atmosphäre, die die France-Fans am Rande des Galibier und des Tourmalet produziert haben.
Es war für mich die ultimative „Tour de Hobbyradfahrer“ – auf den Spuren der Tour de France.
Kurt Deliano

